E-Bikes nerven Wanderer | Zur Sache! Baden-Württemberg


* Live-Untertitel
im Auftrag des SWR Mit Vollgas durchs Unterholz. E-Bikes machen selbst schmale
Wanderpfade zur Rennpiste. Da sollte man
besser nicht im Weg stehen. Kein Wunder, dass mache Wanderer
inzwischen schwer genervt sind. Schönen guten Abend,
herzlich willkommen. Fahrräder mit Hilfsmotor boomen. Es verkaufen sich inzwischen
Elektro-Mountainbikes glänzend. Es ist bequem, ohne Anstrengung
jeden Berg hochzukommen. Auch dort, wo andere in Ruhe und mit Muskelkraft
unterwegs sein wollen. Das führt immer öfter zu Konflikten. Die Schwäbische Alb im Frühling.
Ein Stück fast unberührter Natur. Und diese Entspannung. (Rockige Musik) Tief durchatmen
und die Seele baumeln lassen. (Rockige Musik) Die kommen dann, klingeln
und wir müssen auf die Seite. Gefährliche Situationen gibt’s
natürlich schon. Da ist der Weg so breit
mit Serpentinen. Du kannst dich
nicht in Luft auflösen. Das Phänomen E-Bike
hat den Wald erreicht. Querfeldein, über Stock und Stein,
vom Tal bis zum Gipfel. Kein Problem, der Elektromotor
strampelt schließlich mit. Gefahren wird inzwischen
auf schmalsten Wanderpfaden. Das ist nicht nur verboten,
sondern auch brandgefährlich, sagt Ranger Martin Gienger. Das wäre jetzt so eine Stelle. Wie soll man da ausweichen, wenn
Fahrräder kommen als Fußgänger? Der Elektro-Antrieb sorge dafür,
dass sich mehr Menschen bewegen. Aber er bringe Fahrräder
auch an Orte, wo diese nichts zu suchen hätten. Wenn der Weg rutschig ist, kann ich
noch so ein gutes Fahrrad haben: Das hält nicht an,
wenn es extrem steil ist. Ausweichen ist nicht möglich.
Es ist auf jeden Fall gefährlich. Im Internet prahlen E-Biker mit waghalsigen Fahrten
durch den Wald. Jetzt geht’s hier ab! Ab geht’s dank Elektromotor. Mit 30, 40 Sachen über den Wanderweg. Oh. Wanderer.
– Hey! Jo, Freunde. Die Wanderer. Haha. Wenn die von hinten kommen,
die hören Sie gar nicht. Wenn mein Hund an der Leine läuft,
zwei, drei Meter von mir weg, kommt der von hinten, fährt über
die Leine oder den Hund. Das ist eine doppelte Gefährdung, weil viele das Tempo
nicht einschätzen können. Das heißt oftmals: viel Power. War das weit! Wenig Kontrolle. Hier ist das Radfahren erlaubt: Der breite Forstweg,
rauf zur Burg Teck bei Kirchheim. Die Ruine aus dem Mittelalter
war bei schönem Wetter immer schon Radfahrer-Magnet. Nun beobachten auch
traditionelle Mountainbiker immer öfter E-Bikes. Wir sind hochgekommen mit
einem Puls von 180, total zerstört. Dann kam ein älterer Herr
hinter uns, mit einem Elektrofahrrad,
mit einem ganz trockenen T-Shirt, wahrscheinlich mit einem Puls
von 70, 80, völlig entspannt. Ich tu mir das nicht mehr an,
die Plagerei. Mit dem E-Bike geht das wunderbar. Doch was Räder aus Waldwegen machen, findet diese Wandergruppe
gar nicht “wunderbar”. Alle gehören
zum Schwäbischen Albverein. Dessen Mitglieder halten ehrenamtlich
etwa 20.000 Kilometer Wege in Schuss. Die Stufen, die man setzt,
sind schneller kaputt als früher, als man nur gewandert ist. Dann hast du die Wege
in Ordnung gehalten, dann kommen Radfahrer,
die keine Verantwortung haben, die Wege zu richten. Die fahren samstags Fahrrad. Und die
Rentner müssen die Strecke richten. Was früher nur Sportler-Waden
zum Glühen brachte, ist dank E-Antrieb entspannter
Zeitvertreib für jedermann. Im Naturschutzzentrum
Schopflocher Alb wollen sie den Trend nutzen, mehr
Menschen für den Wald begeistern. Die Naturschützer verleihen E-Bikes. Doch ohne Regeln
rollt hier niemand vom Hof. Was wir den Leuten mitgeben,
ist eine Sicherheitseinweisung für sich selbst,
aber auch für andere, dass es möglichst
keine Konflikte gibt. Wir geben Routenvorschläge mit, wo
man sich sicher bewegen kann. Vor allem in Naturschutzgebieten
haben wir empfindliche Vegetation. Es kann sein, dass man,
wenn man ausweicht, Schaden an der Natur zufügt,
seltene Orchideen zum Beispiel. Die Regel ist klar: Auf Waldwegen unter einer Breite
von zwei Metern darf niemand fahren. Das gilt fürs trendige E-Bike,
wie für Großmutters Drahtesel. Doch die Spuren
des regelwidrigen Radelns finden sich im Wald überall. Erst ausmessen, dann Radfahren? Unsinn, findet Jens Ditlevsen
vom Deutschen Alpenverein. Er fordert:
Rücksicht statt Regelwerk. Wie man deutlich erkennen
kann: jede Menge Fahrradspuren. Selbst bei
großzügiger Betrachtungsweise ist hier eine Wegbreite
von zwei Metern nicht gegeben. Dabei heißt es
von der Landesregierung, die Regel habe sich bewährt. Sie hat sich bewährt, weil sie
flächendeckend ignoriert wird. Bei den Konflikten,
die im Wald auch verbal stattfinden, spielt das immer noch eine Rolle, dass man den Radfahrern
das Gefühl vermittelt: Ihr dürftet eigentlich
nicht hier sein. Nur: Wer sollte
in Zukunft hier sein dürfen? Stand heute gehört jedenfalls
auch der Technik ein Stück Natur.